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Ich war hungrig. . .

3. Dezember 2012 , Geschrieben von Visionär

Ich war hungrig. . .

Es war Weihnachten, und Donovarı war verzweifelt, Niemals zuvor hatte er sich eine Mahlzeit erbetteln müssen. Er schämte sich bei bloßen Gedanken daran, und das Herz wurde ihm schwer. Doch er überwand sich und sprach seine Bitte aus, als der vornehm gekleidete Mann seinen Schlüssel in die Eingangstür des stattlichen Hauses steckte. Er und die hübsche Frau lachten fröhlich, sie hörten Donovans Bitte nicht. Nun mußte er sie noch einmal aussprechen.

„Entschuldigen Sie bitte. lch bin hungrig. Können Sie mir helfen, damit ich mir ein Essen besorgen kann?"

„Nichts werde ich tun", erwiderte der Mann grob. „Heutzutage steht an jeder Ecke ein Landstreicher. Suchen Sie sich gefälligst Arbeit, und kümmern Sie sich um sich selbst“ Mit diesen Worten drehte er sich wieder zur Tür.

Donovan fuhr zurück, als ob man ihm einen Schlag versetzt hätte, und wankte in den Schatten des Hauses. Er konnte nicht erklären, daß er schon wochenlang vergeblich nach Arbeit gesucht hatte. Seine Wangen glühten vor Scham; schwach lehnte er sich an die Mauer des Hauses.

„Betrunken auch noch?" schimpfte der Mann. „Es sollte ein Gesetz gegen solche Leute geben“

Doch die Frau hatte Donovan aufmerksamer beobachtet. „O, Richard“, sagte sie tadelnd, „es ist Weihnachten, und er ist hungrig“ Sie öffnete ihre juwelenbesetzte Abendtasche, eilte zu Donovan und drückte ihm fünf Dollar in die Hand.,. Hier", sagte sie, „kaufen Sie sich etwas zu essen. Und denken Sie daran Es ist das Weihnachtsbrot, das Sie essen.“

„Vielen Dank. das werde ich tun“, erwiderte Donovan dankbar.

Donovan hielt den Geldschein fest in seiner Hand und eilte die Straße hinunter zu dem Restaurant, wo man preiswert essen konnte. Er dachte an ihr Lächeln und ihre Worte. „Sie war wie ein Engel“, murmelte er halblaut vor sich hin.

Er überlegte, was er von dem Geld kaufen könnte. Wenn er sorgfältig damit umging. Könnte er heute Abend gut essen und sogar noch die Hälfte des Geldes für morgen zurückbehalten. Das „Weihnachtsbrot“ würde eine Zeitlang ausreichen, während er sich in einem anderen Teil der Stadt, woran er gerade gedacht hatte, nach Arbeit umsehen würde. Bei diesen Gedanken trugen ihn seine Füße noch schneller dem Ziel entgegen. Doch da hielt sein Schritt inne. Als er einen alten Mann frierend in 'einer dunklen Toreinfahrt stehen sah. „Komm, Kamerad“, ermunterte Donovan den Alten, „das Weihnachtsbrot wird für uns beide heute Abend reichen"

Sie genossen jeden Bissen der wohlschmeckenden Speise im Restaurant. Donovan bemerkte, wie sein Gast etwas Brot und Kuchen in eine Serviette einwickelte. „Du hebst dir etwas für morgen auf, nicht wahr“, lächelte er... Nein", entgegnete der alte Mann, „Tommy, der Zeitungsjunge, hat niemanden, der sich um ihn kümmert. Ich nehme dies für ihn mit.“

Hier, nimm mein Stück Kuchen", sagte Donovan, „und auch dieses Stück Brot. Ich habe genug gegessen.“

„Das Weihnachtsbrot“, meinte er später nachdenklich.

Tommy wickelte rasch das Essen aus und ließ es sich schmecken. Etwas von dem Brot ließ er für den kleinen Hund übrig, der winselnd und frierend auf dem Boden kauerte. Donovan hob das Tier auf und streichelte ihm das nasse Fell. Dabei berührte er ein Halsband, woran eine kleine Tasche befestigt war. Neugierig untersuchte Donovan die Tasche und fand einen Zettel, worauf eine Adresse Stand.

Vielleicht gehörst du einem kleinen Jungen der jetzt traurig ist, weil du fort bist“, sagte Donovan mitleidig. „Komm, ich bringe dich nach Hause.“

Es war ein langer Weg durch die Stadt, doch Donovan trug den Hund die ganze Strecke und hielt ihn, als er an der Tür eines vornehmen Hauses klingelte. Ein Dienstmädchen öffnete und starrte ihn an. Dann erschien ein Mann, der Donovan den Hund abnahm und den jungen Mann mißtrauisch anschaute. „So, du hast den Hund zurückgebracht und wartest auf den Finderlohn, nicht wahr? ,Oder hast du vielleicht schon daran gedacht, bevor er verlorenging'?“

„lch habe von keinem Finderlohn gewußt", protestierte Donovan. „Außerdem habe ich um keinen gebeten. Ein Zeitungsjunge hat ihn auf der Straße gefunden, und ich habe ihn zurückgebracht, weil er verloren gegangen war." Die Worte stürzten wie ein Wasserfall aus ihm her. Überwältigt von der Ehrenhaftigkeit des ärmlich gekleideten Besuchers, war der Mann sofort zu einer Entschuldigung bereit.

„Es tut mir leid", beteuerte er, „ich sehe, Sie sind nicht ein solcher Mensch. Ich möchte gerne, dasß Sie die Belohnung nehmen. Ich habe dies in der Annonce geschrieben, und Sie haben sie verdient. Ich möchte, daß Sie sie nehmen."

Er drückte einen Geldschein in Donovans widerstrebende Hand und sagte: „Suchen Sie zufällig eine Arbeit? Wir brauchen einen Nachtwächter in meiner Firma, und wir könnten einen ehrlichen Mann wie Sie gebrauchen.“ Er gab Donovan seine Karte und schüttelte ihm die Hand, als er ging.“

Verfasser unbekannt Der Stern Dezember 1972

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