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Feuer auf dem Berg

22. Dezember 2012 , Geschrieben von Visionär

Feuer auf dem Berg

Lloyd H. Parry

ILLUSTRATION VON PAUL MANN

Als Junge bin ich für mein Leben gerne in den Hügeln und Bergen östlich von Manti, Utah, gewandert. Als ich zehn Jahre alt war, nahmen mein Freund und ich uns an einem kühlen Herbsttag vor, eine Wanderung zu machen. Meine Mutter wickelte zwei Brote mit Erdnußbutter und Marmelade und zwei Stücke Rosinenkuchen in Wachspapier und packte alles zusammen mit einem Apfel für jeden in eine braune Papiertüte. Das war unser Mittagessen. Dann wanderten wir hinaus aus der Stadt, an der Farm unseres Nachbarn vorbei und durch einen Obstgarten hindurch. Ich genoß die kühle, frische Luft und den Geruch der Felder und Obstgärten in vollen Zügen. Die Obstbäume hingen voll mit leckeren roten Äpfeln.

Wir trugen beide einen großen Sack, weil wir Pinienkerne sammeln wollten. Als wir dem schmalen Pfad durch das dichte Unterholz hinaus in den Lärchenwald folgten, stießen wir hin und wieder auch auf eine Pinie und ein paar Pinienzapfen.

Wir legten die Pinienzapfen, an denen noch frisches Harz klebte, in unsere Säcke. In jedem Pinienzapfen steckten zahllose Pinienkerne. Schon damals mochte ich Pinienkerne für mein Leben gerne. Auch die Indianer mochten früher Pinienkerne, aber sie haben sie gesammelt, weil sie sie zum Überleben brauchten. Sie haben aus Pinienkernen und Heuschrecken Brot gebacken. Ich mag Pinienkerne aber lieber ohne Heuschrecken.

Mein Freund und ich stiegen immer höher, bis wir schließlich die weißen Felsbrocken erreicht hatten, die ein riesiges „M" (für Manti, den Namen unserer Heimatstadt) bilden. Dieses „M" konnte man unten vom Tal aus sehen. Wir setzten uns auf einen großen, flachen Felsbrocken, um auszuruhen. Dann zogen wir die Schuhe aus, um uns am glatten Felsen die Füße zu kühlen, und schauten hinunter auf Manti und hinweg über die Felder und Täler bis zum Horizont. Die Luft war klar und rein, und es wehte eine leichte Brise, so daß uns der Duft von Lärchen und Pinien in die Nase zog. Wie schön war doch das Leben!

Dann sammelten wir trockene Äste, um ein Feuer anzuzünden, über dem wir unsere Pinienkerne rösten wollten. Wir zündeten das Holz an, und schon bald loderten die Flammen hoch empor - viel zu hoch!

Das Feuer griff nämlich auf ein nahegelegenes Gebüsch über und fraß sich von dort weiter. Es sah so aus, als ob unser kleines Feuer weiter um sich greifen und zu einem Waldbrand ausarten würde. Wir hatten kein Wasser dabei, um die Flammen zu löschen; deshalb versuchten wir, sie mit unseren Säcken zu ersticken. Aber je mehr wir mit unseren Säcken auf die Flammen einschlugen, desto höher loderten sie empor und breiteten sich nur noch weiter aus. Verzweifelt rief mein Freund: „Ich hole Hilfe", zog sich schnell die Schuhe an und rannte davon, hinunter ins Tal.

Jetzt war ich ganz allein! Ich kniete nieder, um zu beten. „Lieber Vater im Himmel, bitte hilf mir, das Feuer zu löschen." An mehr kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet hatte. Am Himmel stand nicht eine einzige Wolke; also konnte es nicht plötzlich anfangen zu regnen. Ich hörte auch keine Stimme, die mir sagte, was ich tun sollte, aber der himmlische Vater gab mir trotzdem eine Antwort auf mein Gebet.

Noch ehe ich wieder aufgestanden war, hatte ich das Gefühl, ich solle Erdklumpen auf das brennende Gebüsch werfen, das mir am nächsten war, und dann nach und nach auf die anderen Büsche. Das tat ich auch, bis ich das Feuer sozusagen eingegrenzt und damit unter Kontrolle hatte. Bald stieg nur noch schmutziger Rauch zum Himmel empor; das Feuer war erstickt. Ich hatte keine Stimme gehört, die mir sagte:„Wirf Erdklumpen ins Feuer." Aber ich hatte das starke Gefühl gehabt, daß ich genau das tun sollte. Irgendwie hatte der himmlische Vater mir diesen Gedanken eingegeben.

Ich bin dankbar für die Art und Weise, wie der himmlische Vater damals mein Gebet erhört hat. Er hat nicht selbst das Feuer erstickt, sondern mir erlaubt, diese Heldentat zu vollbringen. Dadurch wurde mein Selbstbewußtsein gestärkt, und ich spürte, daß ich mit der Hilfe des himmlischen Vaters alle schwierigen Probleme bewältigen kann. Aus diesem Erlebnis habe ich viel gelernt. Ich habe gelernt, daß man nicht in der Nähe eines Gebüschs Feuer machen darf, wenn Wind weht. Aber noch viel wichtiger ist die Erfahrung, daß der himmlische Vater das Gebet eines kleinen Jungen im Wald erhört hat. Mir ist bewußt geworden, daß Gott nicht etwas für uns tut, was wir selbst tun können, aber daß er uns hilft, unsere Intelligenz, unsere Kraft und das vorhandene Material zu nutzen, und sei es die Erde unter unseren Füßen.

"Der Stern" September 1996

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