EIN ANDERER MENSCH
Yvette Tracy
Mein Vater war ein gebildeter Mann und vielseitig begabt. Auch hatte er einen starken Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, Doch seit meiner Kindheit trank mein Vater so viel, daß ich das Gefühl hatte, als sei er nie nüchtern. Ich kann mich daran erinnern, daß er seinen Arbeitsplatz verloren hatte und nur noch zeitweise ein paar Tage hintereinander Gelegenheitsjobs annahm. Er arbeitete gerade so viel, daß es für seinen Schnaps reichte. Seine Trunkenheit machte mich sehr traurig. und ich betete oft, er möge die Kraft haben, mit dem Trinken aufzuhören.
Eines Tages, vier Monate vor seinem Tod. tat er es. Er hörte ganz mit dem Trinken auf und versuchte, ein neues Leben zu beginnen, Er bemühte sich sogar um seinen alten Arbeitsplatz, Eines Nachts, mehrere Monate nach seinem Tod, träumte ich, mein Vater säße auf einer Art Plattform. Er schaute mich an und lächelte; sein Gesicht leuchtete. und er schien sehr glücklich zu sein. Es waren einige andere weißgekleidete Menschen bei ihm, die ich nicht kannte. Der Traum beeindruckte mich zutiefst, und ich fragte mich, wie mein Vater Frieden und Freude empfinden könne, wenn er auf der Erde ein so verantwortungsloses Leben geführt hatte. Er hatte meine Mutter mit sechs kleinen Kindern im Stich gelassen und sich nicht um uns gekümmert. Immer wenn ich nach meinem Vater gefragt wurde, antwortete ich, er sei ein schlechter Vater gewesen. Dann hatte ich eines Nachts einen zweiten Traum, in dem ich mich in unserer Haustür mit meinem Vater sprechen sah.
Er war betrunken, schien sehr blaß und hatte zerlumpte Kleider an. lch schrie ihn an und fragte ihn. warum er soviel trinke. Er solle doch weggehen und uns in Ruhe lassen. Plötzlich kam ein anderer Mann auf mich zu. Es war ebenfalls mein Vater, aber dieses Mal war er ordentlich gekleidet, sein Gesicht leuchtete. und der Blick seiner Augen war von Frieden erfüllt. Er zeigte auf den anderen Mann und sagte: „Das ist der Mensch, der ich einmal war; und so bin ich jetzt.“ ln diesem Augenblick war ich unbeschreiblich froh, denn ich wußte, dieser Traum war die Antwort auf meinen ersten Traum - mein Vater hatte sich wirklich geändert, bevor er starb. Er hatte den Kampf gegen den Alkohol gewonnen. Er hatte Umkehr geübt.
Seitdem freut es mich oft zu wissen, daß mein Vater Frieden hat und daß er Fortschritt macht. Es freut mich auch, zu wissen, daß der Weg zur wahren Freude durch Glauben und Umkehr möglich ist. Wie tief wir auch in Sünde und Elend verstrickt sind wir können doch unser Leben völlig ändern. Das Sühnopfer unseres Erretters hat uns dies ermöglicht.
Der Stern Juli 1983 Seite 18
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