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Ein‭ ‬Versprechen‭ ‬halten

16. Dezember 2012 , Geschrieben von Visionär

Ein‭ ‬Versprechen‭ ‬halten

GENERALSUPEFIINTENDENT DAVID LAWHENCE MCKAY

(Illustration von DALE KlLBOUBN‭]

‬An einem warmen Sommertag half der kleine David‭ ‬0.McKay‭ ‬seinem‭ ‬Vater David McKay beim Heueinfahren auf‭ ‬dem Feld.‭ ‬Das Gespann war an das‭ ‬Rahmenwerk‭ ‬des Wagens angebunden,‭ ‬und der Junge lenkte es zwischen‭ ‬den Heuhaufen entlang,‭ ‬während sein Vater diese auf den‭ ‬Wagen warf.‭ ‬Sie begannen unten am Feld und luden alles‭ ‬auf,‭ ‬während sie nach oben vordrangen.‭ ‬Das war zur Zeit, als der Zehnte noch durch Farmerzeugnisse statt durch‭ ‬Geld bezahlt wurde.‭ ‬Als neun Ladungen eingebracht waren,‭ ‬begriff David O.‭ ‬McKay,‭ ‬daß die nächste die Zehntenladung sein würde.‭ ‬Der niedrigere Teil des Feldes,‭ ‬wo sie‭ ‬gearbeitet hatten,‭ ‬war etwas sumpfig,‭ ‬und das Heu dort‭ ‬war von minderer Qualität als das Fiorin ‬und das Wiesenlieschgras,‭ ‬das am höhergelegenen Ende wuchs.‭

„Fahre Zum‭ ‬höhergelegenen Ende für die Zehntenladung‭"‬,‭ ‬sagte der Vater‭ ‬zu David.‭ „‬Das Heu ist besser.‭“‬ David‭ ‬wandte ein,‭ ‬daß Sie bereits im niedrigeren Teil des Feldes‭ ‬arbeiteten und daß die‭ ‬Zehntenladung von dort‭ ‬kommen‭ ‬und wie die andern Ladungen sein‭ ‬sollte.‭ ‬ „Nein‭“ ‬,sagte sein Vater,‭ „‬nimm das Beste als Anteil für den‭ ‬Herrn‭"‬ So holten sie die zehnte Ladung vom besten Heu des‭ ‬Feldes.‭ ‬Dieser Vorfall ist mehr als ein Beispiel,‭ ‬wie der‭ ‬ Zehnte‭ ‬entrichtet werden soll.‭ ‬Er zeigt,‭ ‬daß David O.‭ ‬McKay's‭ ‬Vater ihn sehr früh damit beeindruckt hat,‭ ‬wie wichtig‭ ‬es‭ ‬ist,‭ ‬eine zweite Meile zu gehen,‭ ‬wenn man seine Verpflichtungen erfüllt.‭ ‬Sowohl der Vater als auch der Sohn verstanden,‭ ‬daß der Zehnte kein Geschenk ist,‭ ‬sondern die‭ ‬Bezahlung von Schulden‭ ‬--‭ ‬etwas,‭ ‬was man dem Herrn‭ ‬bereits versprochen hat.‭ ‬David lernte an dem Tag,‭ ‬daß‭ ‬man dies Versprechen voll Freude und überreichlich halten‭ ‬soll.‭ ‬Das forderte mehr als eine buchstäbliche‭ ‬Erfüllung.‭ ‬Präsident McKay hatte während seines ganzen‭ ‬Lebens‭;‬ unter anderm folgenden leitenden Grundsatz:‭ ‬Es ist‭ ‬äußerst‭ ‬wichtig,‭ ‬seine Verpflichtungen im größten Ausmaß zu erfüllen.‭ „‬Hingabe zur Pflicht‭" ‬war häufig das Thema seiner‭ ‬Predigten.‭ ‬lhm war es eine Pflicht,‭ ‬die Versprechungen zu‭ ‬halten,‭ ‬die er dem himmlischen Vater und sich selbst gegeben hatte.‭ ‬Hatte er das Gefühl,‭ ‬es sei seine Pflicht zu‭ ‬handeln,‭ ‬so beachtete er keine Müdigkeit.‭ ‬Auch verzichtete er auf jedes Vergnügen oder andres,‭ ‬was ihn anzog, wenn es ihn daran hinderte,‭ ‬das auszuführen,‭ ‬was er als‭ ‬Verpflichtung betrachtete.‭ ‬Er hatte keine Geduld mit den‭ ‬Menschen,‭ ‬die dem Geist eines Kontraktes auswichen,‭ ‬indem sie auf dem Buchstaben eines schlecht abgefaßten‭ ‬Dokumentes beharrten.

Traf man eine Verabredung mit ihm,‭ ‬so war das für ihn ein‭ ‬Versprechen,‭ ‬das gehalten werden mußte,‭ ‬und er erwartete von andern,‭ ‬daß sie seine Gefühle teilten.‭ ‬Ich begleitete ihn ständig,‭ ‬während er mehrere Wochen lang die‭ ‬europäischen Missionen besuchte.‭ ‬Es bedurfte nicht langer Zeit,‭ ‬daß er nicht‭ ‬8.31‭ ‬Uhr meinte,‭ ‬wenn er eine Verabredung für‭ ‬8.30‭ ‬Uhr eingegangen war.‭

Präsident McKay war besonders darum besorgt,‭ ‬daß man‭ ‬Versprechungen Kindern gegenüber hält,‭ ‬so unwichtig das‭ ‬Versprechen auch dem Eiwachsenen scheinen mag.‭ ‬Der‭ ‬es gegeben hatte.‭ ‬Eines Tages erklärte er sich einer Sonntagsschullehrerin gegenüber bereit,‭ ‬in seinem Büro allen‭ ‬Kindern aus der Klasse zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt die Hand zu schütteln.‭ ‬Eine plötzliche Krankheit‭ ‬brachte ihn an dem‭ ‬bestimmten Tag ins Krankenhaus,‭ ‬und‭ ‬die Kinder der Klasse waren enttäuscht.‭ ‬ Am ersten Sonntag nach seiner Entlassung überraschte er einen Sonntagsschulsuperintendenten sehr,‭ ‬der mit offenem Mund dastand,‭ ‬weil er in die betreffende Sonntagsschule ging,‭ ‬um‭ ‬sein Versprechen zu halten.‭ ‬In London drang ein kleines Mädchen durch die Menge‭ ‬und bat ihn,‭ ‬ob er ihr sein Autogramm geben würde.‭ ‬Er‭ ‬nickte‭; ‬aber das kleine Mädchen wurde von Erwachsenen‭ ‬beiseite geschoben,‭ ‬die dem Präsidenten die Hand schütteln wollten.‭ ‬Präsident‭ _‬McKay bestand darauf,‭ ‬daß das‭ ‬kleine Mädchen gefunden‭ ‬würde.‭ ‬Die Suche beanspruchte‭ ‬Stunden,‭ ‬brachte aber Erfolg.‭" ‬Präsident McKay hatte sein‭ ‬Versprechen gehalten.‭ ' ‬Eines Tages besuchte uns Präsident‭ ‬ McKay bei uns zu‭ ‬Hause zum‭ ‬Abendessen‭ (‬die Hauptmahlzeit in Amerika‭)‬. Einer meiner Brüder,‭ ‬Llewelyn,‭ ‬war auch zu Gast.‭ ‬Er stellte‭ ‬plötzlich fest,‭ ‬daß er sich bei einer Verabredung mit einer‭ ‬Schwester,‭ ‬einer lmmigrantin,‭ ‬verspäten werde.‭ ‬Aber er‭ ‬wußte,‭ ‬daß sie auf ihn warten werde.‭ ‬Er hielt das Abendessen mit seinem Vater für wichtiger.‭ ‬Als Präsident McKay‭ ‬darüber etwas hörte,‭ ‬mußte Llewelyn sein Essen plötzlich abbrechen.‭ „‬Du hast ihr dein Versprechen gegeben.‭ ‬„Was tust du hier‭?" ‬Llewelyn erhob als Einwand,‭ ‬daß die‭ ‬Schwester sie‭ ‬verstehen würde,‭ ‬wenn er sich verspätete.‭ ‬Sie wäre Zuhause,‭ ‬und es brachte keine Unbequemlichkeiten fü‭‬r Sie‭ ‬ „Das ist keine Efnschuldigung.‭ ‬Du hast es ihr versprochen.‭ ‬Halte dein Wort.‭" ‬.Llewelyn versäumte an dem Tag einen guten‭ ‬Nachtisch.

Stern Jänner‭ ‬1971

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