Ein Versprechen halten
GENERALSUPEFIINTENDENT DAVID LAWHENCE MCKAY
(Illustration von DALE KlLBOUBN]
An einem warmen Sommertag half der kleine David 0.McKay seinem Vater David McKay beim Heueinfahren auf dem Feld. Das Gespann war an das Rahmenwerk des Wagens angebunden, und der Junge lenkte es zwischen den Heuhaufen entlang, während sein Vater diese auf den Wagen warf. Sie begannen unten am Feld und luden alles auf, während sie nach oben vordrangen. Das war zur Zeit, als der Zehnte noch durch Farmerzeugnisse statt durch Geld bezahlt wurde. Als neun Ladungen eingebracht waren, begriff David O. McKay, daß die nächste die Zehntenladung sein würde. Der niedrigere Teil des Feldes, wo sie gearbeitet hatten, war etwas sumpfig, und das Heu dort war von minderer Qualität als das Fiorin und das Wiesenlieschgras, das am höhergelegenen Ende wuchs.
„Fahre Zum höhergelegenen Ende für die Zehntenladung", sagte der Vater zu David. „Das Heu ist besser.“ David wandte ein, daß Sie bereits im niedrigeren Teil des Feldes arbeiteten und daß die Zehntenladung von dort kommen und wie die andern Ladungen sein sollte. „Nein“ ,sagte sein Vater, „nimm das Beste als Anteil für den Herrn" So holten sie die zehnte Ladung vom besten Heu des Feldes. Dieser Vorfall ist mehr als ein Beispiel, wie der Zehnte entrichtet werden soll. Er zeigt, daß David O. McKay's Vater ihn sehr früh damit beeindruckt hat, wie wichtig es ist, eine zweite Meile zu gehen, wenn man seine Verpflichtungen erfüllt. Sowohl der Vater als auch der Sohn verstanden, daß der Zehnte kein Geschenk ist, sondern die Bezahlung von Schulden -- etwas, was man dem Herrn bereits versprochen hat. David lernte an dem Tag, daß man dies Versprechen voll Freude und überreichlich halten soll. Das forderte mehr als eine buchstäbliche Erfüllung. Präsident McKay hatte während seines ganzen Lebens; unter anderm folgenden leitenden Grundsatz: Es ist äußerst wichtig, seine Verpflichtungen im größten Ausmaß zu erfüllen. „Hingabe zur Pflicht" war häufig das Thema seiner Predigten. lhm war es eine Pflicht, die Versprechungen zu halten, die er dem himmlischen Vater und sich selbst gegeben hatte. Hatte er das Gefühl, es sei seine Pflicht zu handeln, so beachtete er keine Müdigkeit. Auch verzichtete er auf jedes Vergnügen oder andres, was ihn anzog, wenn es ihn daran hinderte, das auszuführen, was er als Verpflichtung betrachtete. Er hatte keine Geduld mit den Menschen, die dem Geist eines Kontraktes auswichen, indem sie auf dem Buchstaben eines schlecht abgefaßten Dokumentes beharrten.
Traf man eine Verabredung mit ihm, so war das für ihn ein Versprechen, das gehalten werden mußte, und er erwartete von andern, daß sie seine Gefühle teilten. Ich begleitete ihn ständig, während er mehrere Wochen lang die europäischen Missionen besuchte. Es bedurfte nicht langer Zeit, daß er nicht 8.31 Uhr meinte, wenn er eine Verabredung für 8.30 Uhr eingegangen war.
Präsident McKay war besonders darum besorgt, daß man Versprechungen Kindern gegenüber hält, so unwichtig das Versprechen auch dem Eiwachsenen scheinen mag. Der es gegeben hatte. Eines Tages erklärte er sich einer Sonntagsschullehrerin gegenüber bereit, in seinem Büro allen Kindern aus der Klasse zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt die Hand zu schütteln. Eine plötzliche Krankheit brachte ihn an dem bestimmten Tag ins Krankenhaus, und die Kinder der Klasse waren enttäuscht. Am ersten Sonntag nach seiner Entlassung überraschte er einen Sonntagsschulsuperintendenten sehr, der mit offenem Mund dastand, weil er in die betreffende Sonntagsschule ging, um sein Versprechen zu halten. In London drang ein kleines Mädchen durch die Menge und bat ihn, ob er ihr sein Autogramm geben würde. Er nickte; aber das kleine Mädchen wurde von Erwachsenen beiseite geschoben, die dem Präsidenten die Hand schütteln wollten. Präsident _McKay bestand darauf, daß das kleine Mädchen gefunden würde. Die Suche beanspruchte Stunden, brachte aber Erfolg." Präsident McKay hatte sein Versprechen gehalten. ' Eines Tages besuchte uns Präsident McKay bei uns zu Hause zum Abendessen (die Hauptmahlzeit in Amerika). Einer meiner Brüder, Llewelyn, war auch zu Gast. Er stellte plötzlich fest, daß er sich bei einer Verabredung mit einer Schwester, einer lmmigrantin, verspäten werde. Aber er wußte, daß sie auf ihn warten werde. Er hielt das Abendessen mit seinem Vater für wichtiger. Als Präsident McKay darüber etwas hörte, mußte Llewelyn sein Essen plötzlich abbrechen. „Du hast ihr dein Versprechen gegeben. „Was tust du hier?" Llewelyn erhob als Einwand, daß die Schwester sie verstehen würde, wenn er sich verspätete. Sie wäre Zuhause, und es brachte keine Unbequemlichkeiten für Sie „Das ist keine Efnschuldigung. Du hast es ihr versprochen. Halte dein Wort." .Llewelyn versäumte an dem Tag einen guten Nachtisch.
Stern Jänner 1971
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